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Davis Cup 2019: So sieht der Wettbewerb nach der Reform aus


Eine Reform des Davis Cups war dringend notwendig, darüber waren sich Funktionäre und Tennisprofis einig. Über die Änderungen des Davis Cups ab dem Jahr 2019 sind aber viele Spieler und vor allem die Tennis-Fans nicht glücklich. Was sind die Hintergründe für die Davis Cup Reform? Wie wird der Davis Cup ab 2019 gespielt? Alles was Du über den neuen Davis Cup wissen musst …


Die Gier nach Geld hat gesiegt: Auch die Proteste unzähliger Tennisprofis und großer Tennisnationen wie Deutschland, Australien oder Großbritannien konnten die Davis Cup Reform nicht verhindern. ITF-Präsident David Haggerty hatte sich für die Reform des Davis Cups stark gemacht, und nachdem die Delegierten der Mitgliederverbände zugestimmt haben, kann sich die ITF über einen riesigen Geldsegen freuen.

So wird der Davis Cup ab 2019 gespielt


Bereits ab 2019 wird der 118 Jahre alte Davis Cup in einem völlig neuen und kompakten Modus ausgespielt: Statt der vier über das gesamte Jahr verteilten Runden mit Heim- und Auswärtsspielen findet der Davis Cup ab 2019 als einwöchiges Turnier in der zweiten November-Hälfte jedes Jahres statt. 18 Nationen-Teams werden dabei in einer Vorrunde und der direkt folgenden Finalrunde im Knock-out-Format den Davis Cup-Sieger ermitteln. Bei jeder Partie werden in Zukunft lediglich zwei Einzel und ein Doppel jeweils über zwei Gewinnsätze gespielt!

 

Davis Cup Reform: Der Tennissport ist der Verlierer, die Konten der ITF und der Investmentgruppe Kosmos die Gewinner


Obwohl sich nahezu alle aktiven und ehemaligen Davis Cup-Spieler vehement gegen die Reform gewährt haben - Lucas Pouille twitterte z.B: @ITF_Tennis You guys are a shame for tennis … - hat die ITF letztendlich aus finanziellen Grünen der Davis Cup zugestimmt. Für die Finanzierung des neuen Davis Cup-Wettbewerbs soll die Investmentgruppe Kosmos sorgen, zu deren Gründern der ehemalige Fußball-Weltmeister Gerard Pique aus Spanien gehört. Drei Milliarden Dollar für 25 Jahre hat Kosmos versprochen – Kritikern und Beobachtern dieses Deals fehlt bei dieser Vereinbarung jedoch jegliche Transparenz. Fest steht lediglich, dass sich Kosmos eine riesige Rendite von dem umstrittenen Davis Cup-Deal verspricht!

 

Davis Cup 2019: Auslosung, Teilnehmer, Austragungsort …


Bei der ersten Auflage des radikal reformierten Davis Cups erhalten Argentinien und Großbritannien jeweils eine Wildcard für die Endrunde. Ebenfalls fest qualifiziert sind die vier Halbfinalisten der Davis Cup-Saison 2018:  Frankreich, Kroatien, Spanien und die USA. Die übrigen 12 Teilnehmer werden über eine Qualifikationsrunde am 1./2. Februar ermittelt. Ausgetragen wird die Davis Cup Final-Runde dann vom 18. bis 24. November in Madrid.

 

Auslosung Davis Cup 2019 Qualifikations-Runde

Ein kleiner Trost für die Fans der herkömmlichen Davis Cup-Heimspiele: Bei der Auslosung für die Davis Cup Quali-Runde erhielten Deutschland, Österreich und auch die Schweiz jeweils ein Heimspiel. Die Gewinner der Quali-Runde am 1./2. Februar nehmen dann an der Davis Cup Finalrunde im November in Madrid teil. Die Quali-Duelle für den Davis Cup 2019:

  • Deutschland – Ungarn
  • Belgien – Brasilien
  • Serbien – Usbekisan
  • Australien – Bosnien/Herzegowina
  • Italien – Indien
  • Schweiz – Russland
  • Kasachstan – Europa/Afrika Zone (wird noch ermittelt)
  • Tschechien – Niederlande
  • Schweden – Kolumbien
  • Österreich – Chile
  • Kanada – Europa/Afrika Zone (wird noch ermittelt)
  • Japan – China

 

Irgendwie im Hinblick auf die Davis Cup Reform nicht konsequent und kurios: Bei den Qualifikationsspielen wird weiterhin mit Heim- und Auswärtsrecht gespielt. Ausgetragen werden vier Einzel und ein Doppel (alle best-of-three).

 

 

Davis Cup 2019: Deutschland trifft im Heimspiel auf Ungarn

 

Zum deutschen Los hat sich gegenüber dem deutschen Tennisbund Teamchef Michael Kohlmann geäußert. „Ich freue mich, dass uns das Los zumindest doch noch ein Heimspiel in der neuen Saison beschert hat. Vor dem Hintergrund, dass auch Auswärtsspiele mit langen Reisen nach Brasilien, Indien oder China möglich gewesen wären, ist Ungarn zuhause für uns sicher ein angenehmerer Gegner“.

Kohlmann über das ungarische Davis Cup Team weiter: „Mit Marton Fucsovics haben die Ungarn einen Top 50-Spieler in ihren Reihen, der über viel Davis Cup-Erfahrung verfügt und auch in diesem Jahr auf der Tour einige gute Ergebnisse erzielen konnte. Unser Anspruch ist natürlich, mit dem stärksten Team anzutreten und die Endrunde zu erreichen.“ In der Herren Tennis Bundesliga spielt Marton Fucsovics übrigens für den Gladbacher HTC.


Österreich will sich im Heimspiel gegen Chile für die Davis Cup Finalrunde 2019 qualifizieren

 Zufrieden mit der Davis Cup Auslosung zeigt sich auch ÖTV-Kapitän Stefan Koubek: "Ich finde es super. Da haben wir einmal Glück gehabt, weil so viele Lose für zu Hause waren jetzt wirklich nicht dabei. "Mit Chile ist die Chance echt groß, dass wir die Partie gewinnen und nach der Reform im finalen Turnier dabei sind. Das ist jetzt mit der Auslosung das Riesenziel. Ich würde mich freuen, wenn ich wieder aus dem Vollen schöpfen kann.“


Schweiz im Davis Cup ohne Federer und Wawrinka gegen Russland?

 

Etwas enttäuscht zeigt man sich beim Thema Davis Cup 2019 dagegen in der Schweiz: Denn eigentlich hatte man mit einer Wildcard für die Davis Cup Finalrunde 2019 gerechnet. Der Zuschlag ging aber an Argentinien und – vielleicht etwas überraschend – an Großbritannien.

Für die Davis Cup Qualifikationsrunde wurde die Schweiz zwar gesetzt, bekam mit Russland aber einen starken Gegner zugelost. Immerhin haben die Eidgenossen am 1./2. Februar Heimrecht. Dass Roger Federer und auch Stan Wawrinka aber eine Woche nach dem Ende der Australian Open im Davis Cup antreten werden, ist mehr als unwahrscheinlich. Und ohne Feder und Wawrinka ist ein Sieg gegen Russland auch sehr unwahrscheinlich …

 


Eine Davis Cup Reform war nötig – aber wurde dem Davis Cup jetzt die Seele geraubt?

Keine Frage: Eine Reform des altehrwürdigen Davis Cups war notwendig. Die Belastungen durch die anderen ATP-Turniere wurden für die Tennis-Profis in den letzten Jahren immer größer, viele Top-Spieler klagten immer häufiger über Verletzungen und traten daher aus zeitlichen, gesundheitlichen oder sonstigen Gründen immer öfter nicht mehr im Davis Cup an.

Aber: Es waren gerade diese unvergesslichen Duelle in Heim- und Auswärtsspielen, Matches über drei Gewinnsätze mit einer Spieldauer von bis zu sieben Stunden, die den Davis Cup zu einem unvergleichlichen Erlebnis machten und nicht nur in Deutschland einen Beitrag zum Tennis-Boom in Zeiten von Boris Becker, Michael Stich oder auch Michael Westphal leisteten.

Zu der neuen Lösung der Davis Cup Reform sagte z.B. DTB-Boss Ulrich Klaus: "Das ist jetzt schon eine große Enttäuschung. Es wurde nur über Geld, aber nicht über Sport geredet."


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