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Tennis in Zeiten der Corona-Pandemie: Was uns die Corona-Krise über die Bedeutung des Tennissports lehrt


Tennis und CoronaTennis während des Corona-Lockdowns: Von zu Hause zuschauen, statt selber Tennis spielen - das ist das Motto für die meisten Tennisspieler in den letzten Wochen


Jede Krise hat ihre Begleiterscheinungen. Und wie eine Gesellschaft mit der Krise und ihren Nebenwirkungen umgeht zeigt auch, welche Werte und Prioritäten in dieser Gesellschaft dominieren.

Der (fast nicht existente) Stellenwert des Tennissports im Amateur- und Freizeitbereich wurde jetzt von höchster juristischer Instanz bestätigt. Rückblick: Am 7. Dezember hatte der Bayerische Tennis-Verband gemeinsam mit dem TC GW Gerbrunn beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof einen Eilantrag zur Aufhebung des Tennisverbots gestellt. Dass dieser Antrag abgelehnt wurde, war zu befürchten. Anlass zum Kopfschütteln geben aber mindestens zwei andere Fakten, die wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht des Tennissport und des Amateursports allgemein wirken:


  • Für eine Entscheidung dieses „Tennis-Eilverfahrens“ ließ sich das oberste bayerische Gericht rekordverdächtige sieben Wochen (!) Zeit. Sinn eines Eilverfahrens ist übrigens, je nach Priorität des Anliegens den sofortigen Rechtsschutz zu gewährleisten. Überflüssig zu erwähnen, dass diverse später eingegangene Anträge, wie die Aufhebung des bayernweiten Alkoholverbotes oder die 15-Kilometer-Regel, ohne nachvollziehbare Begründung des Gerichts vorgezogen wurden.

  • Außerdem führt der Verwaltungsgerichthof an, dass das geringe Infektionsrisiko, welches die Ausübung des Tennissports mit sich bringt, nicht entscheidend für das Urteil wäre.


Seit Monaten befolgen wir alle die von Merkel, Spahn & Co. geforderten Abstandsregeln und Kontaktbeschränkungen. Viele Kulturschaffende, Gastronomen, Tennistrainer, Hallenbetreiber und viele andere wirtschaftlich Betroffene sehen sich mit jedem weiteren Tag des Lockdowns einen Schritt näher am finalen finanziellen Exitus.



Wenn das höchste Gericht eines Bundeslandes dem Alkohol eine dringendere, und somit höhere Bedeutung zumisst als dem Tennissport mit seinen gesundheitsfördernden und (psycho)sozialen Aufgaben – dann sagt das viel über die Werte und Maßstäbe in unserem Land aus.

Ja, es ist ein Skandal, dass unsere Entscheidungsträger wie Merkel, Söder oder Spahn sämtliche wissenschaftlichen Erkenntnisse über die lebenswichtigen Funktionen des Sports ignorieren. Stattdessen soll das dumme (Wahl-)Volk dummgehalten werden, wenn die Message sinngemäß lautet: Setzt Euch auf Euer Sofa und wartet auf den Impfstoff!


Positive Wirkungen von Tennis und Sport scheinen nicht mehr zu gelten

 

Auf die in vielen Bereichen dramatischen gesundheitlichen und psychosozialen Konsequenzen der „Stay-at-home“-Strategie machen renommierte Professoren und Wissenschaftler wie Susanne Tittlbach oder Ingo Froböse. Gehört werden sie von Ministerpräsidenten und Bundeskanzlerin bisher aber nicht.

Stattdessen immer wieder die gleichen Durchhalteparolen. Und in den Talkshows immer wieder dieselben Experten (Lauterbach, Braun, Streek) mit der immer wiederkehrenden identischen Botschaften. Es ist natürlich völlig richtig, dass die Pandemie bekämpft werden muss. Aber wenn Corona und seine Folgen selbst für renommierte Wissenschaftler und Experten in vielen Bereichen noch ein Buch mit sieben Siegeln ist – warum dann nicht einfach mal in andere (wissenschaftliche!) Richtungen und Stimmen mit den öffentlichen Diskurs einfließen lassen?




Fakt ist: Der Staat verordnet, statt zu erklären. Erklären zum Beispiel, warum ein Tenniseinzel mit einem Abstand von mehr als 20 Metern zwischen den Spielern eine Gefahr für die Corona-Eindämmung darstellen soll, wenn in der Tennishalle sämtliche Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden. Auch wenn Tennis nur ein Beispiel von vielen ist: In der Corona-Krise kocht jedes Bundesland lieber sein eigenes Süppchen, statt gemeinsam zu erklären und – wie oben beschrieben – mit Experten der verschiedensten Denkschulen gemeinsam nach Strategien zu suchen.

  • Stattdessen pilgern Tag für Tag unzählige Tennisspieler aus Bayern, Baden-Württemberg oder NRW nach Hessen oder Niedersachsen, wo man immerhin erkannt hat, das Tennishallen bei entsprechenden Vorkehrungen wahrlich kein Corona-Spreader sein können …


Nicht nur Corona ist das Problem. Auch die oft schwer nachzuvollziehenden Entscheidungen der Politik

 

 

Seit nun knapp einem Jahr werden auf Wegen, die nicht den gewöhnlichen und bewährten demokratischen Abläufen entsprechen, Entscheidungen für die verschiedensten Lebensbereiche getroffen, die natürlich noch gravierender in unseren Alltag eingreifen als das Tennis-Verbot in den meisten Bundesländern. Die oberste Priorität für die politischen Handlungsträger in Pandemie-Zeiten soll richtiger Weise die Rettung von Leben sein. Doch auf diesem Weg zu diesem Ziel werden viele Entscheidungen getroffen, die viele Menschen nicht verstehen. Weil man sie – Beispiel Tennis – auch nicht verstehen kann!  Es ist daher kein Wunder, dass sich im Kampf gegen Corona immer mehr Frust und Zynismus breitmachen.



Angela Merkel wird nicht müde zu wiederholen, dass die Pandemie den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes viel abverlange. Dieser Satz ist richtig, aber nicht vollständig: Auch die Gestaltung der Corona-Maßnahmen durch die Politik und die damit einhergehenden Ungerechtigkeiten verlangen uns derzeit viel ab.

Auch und gerade in Pandemie-Zeiten ist es unerlässlich, demokratische Spielregeln zu beachten und politische Entscheidungen mit genau diesen Spielregeln zu hinterfragen. Auch von daher war der – wenn auch letztlich erfolglose - Gang des Bayerischen Tennis-Verbandes vor das Verwaltungsgericht überfällig und richtig.




Was jetzt getan werden muss – auch vom DTB und anderen Sportverbänden

 


Ingo Froböse, Professor für Prävention und Rehabilitation und wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Gesundheit durch Sport an der Deutschen Sporthochschule Köln, hat es auf den Punkt gebrauch: Obwohl der Sport in Sachen sozialer Stabilität und Immunabwehr eine wichtige Rolle in der Bekämpfung der Corona-Pandemie spielen könnte, spielt er in der öffentlichen Diskussion derzeit keine Rolle. Die Diskussion wird von einer kleinen Gruppe und Virologen und Intensivmedizinern dominiert.  Experten für Sport und Prävention, Deutsche Olympische Sportbund und auch der Deutsche Tennis Bund für den Tennis-Bereich spielen in der Diskussion dagegen überhaupt keine Rolle.

 

Der neue DTB-Präsident zum Thema Tennis und Corona: „Tennis ist Teil der Lösung und nicht des Problems“

 


Als Verband mit 1,4 Millionen Mitgliedern muss auch der DTB jetzt dringend proaktiv, sachlich fundiert und gezielt auch die Interessen und Argumente des Amateur-Tennis gegenüber der Politik vertreten. Auch wenn ein Begriff wie „Corona-Krise“ explizit nicht in den vor vielen Jahren schriftlich fixierten Aufgaben des DTB steht. Aber Corona stand bis vor einem Jahr bei keinem der 1.4 Mio. DTB-Mitglieder auf der Agenda …

Immerhin: Der gerade neu gewählte DTB-Präsident Dietloff von Arnim erklärte unlängst in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass Tennis ein Teil der Lösung in der Corona-Krise sei und dies auch dringend kommuniziert werden müsse. Worte, an denen sich von Arnim und der gesamte DTB schon in sehr kurzer Zeit messen lassen müssen!


Autor: Karsten Schmidt-Garve, Journalist, Sportwissenschaftler, DTB B-Trainer

Veröffentlicht: 05. Februar 2021


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