Beidhändige vs. einhändige Rückhand – welche ist die bessere Wahl?
Die Rückhand – für viele Tennisspieler die wohl technisch anspruchsvollste Schlagseite. Ob man sie mit einer oder zwei Händen spielt, kann über Stil, Kontrolle und sogar über die Karriere entscheiden. Doch welche Variante ist die bessere? Ein Blick auf die Vor- und Nachteile der beiden Techniken zeigt: Es kommt ganz auf den Spielertyp an.
Die beidhändige Rückhand – Kontrolle, Stabilität, Sicherheit
Die meisten Profis auf der Tour – rund 80 Prozent – setzen heute auf die beidhändige Rückhand. Kein Wunder: Zwei Hände am Schläger geben Stabilität und Kontrolle, besonders bei schnellen Bällen.
„Die beidhändige Rückhand bietet mehr Sicherheit, vor allem für Spieler, die gerne von der Grundlinie agieren“, erklärt ein Verbandstrainer des DTB. Mit beiden Händen lässt sich der Schläger leichter stabilisieren, was gerade beim Return gegen harte Aufschläge ein Vorteil ist.
Vorteile:
- Mehr Kontrolle und Konstanz: Zwei Hände reduzieren den Schlägerwinkel und machen Fehltreffer seltener.
- Bessere Balance: Besonders in der Defensive oder bei hohen Bällen hilft die zweite Hand, den Schlag stabil zu halten.
- Einfacherer Einstieg: Für Kinder und Anfänger ist die beidhändige Rückhand leichter zu erlernen.
Nachteile:
- Kürzere Reichweite: Der Spieler muss den Ball früher treffen, was bei weiten Bällen in die Rückhandecke schwierig wird.
- Weniger Flexibilität: Slice- und Volley-Übergänge fallen schwerer.
- Weniger Ästhetik – mehr Effizienz: Für Puristen wirkt die beidhändige Rückhand oft weniger elegant - so zumindest die Meinung vieler "Tennis-Nostalgiker".
Beispiele für Meister dieser Technik sind Novak Djokovic oder Rafael Nadal – Spieler, die ihre Rückhand zu einer nahezu fehlerlosen Waffe gemacht haben.
Die einhändige Rückhand – Eleganz, Reichweite, Timing
Roger Federer, Stan Wawrinka oder Stefanos Tsitsipas: Ihre einhändigen Rückhände sind Inbegriff von Eleganz und Präzision. Doch hinter der scheinbaren Leichtigkeit steckt hohe technische Kunst.
Die einhändige Rückhand erlaubt mehr Reichweite und ein variableres Spiel – ideal für Angreifer, die gerne ans Netz stürmen oder mit Spin und Slice variieren.
Vorteile:
- Größere Reichweite: Der Arm kann sich freier strecken, was mehr Länge und Winkel ermöglicht.
- Variableres Spiel: Leichterer Wechsel zwischen Topspin, Slice oder Stopps.
- Ästhetik & Timing: Eine gut getroffene einhändige Rückhand gilt als einer der schönsten Schläge im Tennis.
Nachteile:
- Anspruchsvoll in der Defensive: Bei schnellen, hohen Bällen fehlt die Stabilität.
- Kraft- und Timingfrage: Besonders auf der Rückhandseite muss der Spieler sehr präzise stehen.
- Längere Lernkurve: Anfänger brauchen mehr Zeit, um Sicherheit zu gewinnen.
Welche Rückhand passt zu wem?
- Grundlinienspieler & Konterspieler: profitieren meist von der beidhändigen Rückhand. Sie gibt Sicherheit und erlaubt aggressives Blocken.
- Angreifer & Allrounder: sind mit der einhändigen Variante oft besser bedient – mehr Flexibilität und Kreativität im Schlagrepertoire.
- Im Jugendbereich entscheiden sich Trainer fast immer zunächst für die beidhändige Variante. Erst später, mit besserer Technik und Kraft, wechseln manche Spieler auf die einhändige Rückhand.
Fazit: Stilfrage mit Charakter
Ob einhändig oder beidhändig – die perfekte Rückhand gibt es nicht. Sie ist Ausdruck des eigenen Spielstils, der Körperstruktur und der Persönlichkeit. Während die beidhändige Rückhand Sicherheit und Kontrolle bietet, steht die einhändige für Mut, Gefühl und Stil.
Oder, um es mit Roger Federer zu sagen:
„Die einhändige Rückhand ist wie eine Sprache – wer sie beherrscht, kann mit ihr Geschichten erzählen.“